Eltern glänzen nicht immer als Vorbilder – Vortrag am 04.09.2018 zum Drogenkonsum im Schulzentrum Bleckede

Nur mal ausprobieren, was die anderen schon länger machen. Dazugehören, wenn der Joint am Ententeich oder sonst wo kreist. Lockerwerden, cool sein, alles easy irgendwie. An die eigene erste Zigarette oder den ersten Rausch können sich die meisten Eltern zurückerinnern. Und sollten es auch, wenn sie an ihren Kindern „typische“ Anzeichen von Drogenkonsum entdecken. Unkontrollierte Lachanfälle können ebenso dazu gehören wie rote Augen oder apathisches Verhalten.

Stephanie Kriening vom Lebensraum Diakonie e.V., Fachstelle für Sucht und Suchtprävention, referierte im Schulzentrum Bleckede über Drogenkonsum, seine Ursachen und Folgen, und darüber, wie Eltern damit umgehen, wenn sie merken, dass ihr Kind sich verändert. Soziale Kontakte vernachlässigt, Absprachen nicht einhält und ein verändertes Essverhalten zeigt, also viel mehr oder viel weniger als gewöhnlich isst. Was tun? „Ruhe bewahren“, rät die Expertin. „Und den Zugang zum Kind aufrecht erhalten. Eine ruhige Gesprächsatmosphäre schaffen. Keine Vorwürfe machen, keine Drohungen aussprechen.“ Denn zum einen ist das Thema Jugendliche und Drogen kein neues, und zum anderen glänzen Eltern nicht immer unbedingt als Vorbild, wenn es etwa um Nikotin und Alkohol geht. Und diese legalen Drogen stellen bei weitem das größere Problem als etwa Cannabis dar. Alkoholkonsum betrifft alle Schichten, Mädchen zu 41 und Jungen zu 59 Prozent. Und: Jährlich sterben 70 000 Menschen an den Folgen von Alkoholkonsum.

Aber Kriening führte auch aus, dass Cannabis heute einen sehr viel höheren THC–Gehalt (Tetrahydrocannabinol) hat, die Wirkung setzt somit viel schneller ein. Nicht selten ist Cannabis mit Mitteln wie Haarspray, Mehl oder Schuhcreme gestreckt. Und nach wie vor sind Anbau, Besitz und Weitergabe strafbar. Ob es die „Raucherecke“ ist, ob Flaschen in den Pausen in den Büschen kreisen – an Schulen wurden und werden Drogen konsumiert. „Wichtig ist, dass alle – Eltern, Lehrer, Schulsozialarbeiter – informiert sind und einen gemeinsamen Umgang finden“, betont Silke Bachem, Vorsitzende des Schulelternrates der Realschule Bleckede. Gemeinsam mit dem Förderverein, der den Vortrag sponserte, hatte sie ins Schulzentrum eingeladen, ausdrücklich auch die Eltern von Grundschulkindern. Bereits im Juni gab es einen sehr gut besuchten Vortrag zum Thema „Lernen lernen“. Auch in Zukunft will Bachem Referenten nach Bleckede einladen, die über „wichtige Themen für Eltern“ sprechen. Wer aktuell Fragen zum Drogenkonsum seines Kindes hat, kann jederzeit anonym bei der drobs in Lüneburg anrufen oder die Sozialarbeiter der Schulen ansprechen.