„Es ist grün!“ – Auch beim Lernen kommt es auf den Subtext an

Eine Eins in der Kunstarbeit. „Prima“, loben die Eltern. Und fügen hinzu: „Und in Mathe schreibst du das nächste Mal auch eine Eins“. – „In diesem Moment“, sagt Sebastian Durst, „ist die Eins in Kunst nichts mehr wert“. Der Lerncoach war zu Gast im Schulzentrum Bleckede und referierte zum Thema „Lernen mach glücklich“. Seine Erkenntnisse waren nicht unbedingt neu, aber in kompakter und unterhaltsamer Art vorgetragen, hinterließen sie einen bleibenden Eindruck beim Publikum. Die „positive Sprache“ sei dabei ein wichtiger Grundsatz. Schon allein die einfache Frage: „Na, wie war es heute in der Schule“, könne bei Kindern – vor allem wenn sie in der Pubertät stecken – Folgendes implizieren: „Hast du etwa schon wieder Ärger mit den Lehrern gehabt“. Das sei, so führte Durst aus, wie simple Feststellung des Beifahrers: „Es ist grün“. Denn auch dabei würde als Subtext mitschwingen: „Warum muss ich dir eigentlich sagen, dass Grün ist. Siehst du das nicht selbst? Ich hätte mal besser selbst fahren sollen“.

Rund 200 Eltern, Lehrer und Pädagogen waren auf Einladung des Schulelternrates (SER) der Realschule in die Mensa gekommen. Silke Bachem, die SER-Vorsitzende, freute sich über die große Resonanz. „Es ist wichtig, dass wir Eltern auf diesem Wege die Schule mitgestalten. Deshalb haben wir auch die Eltern der Haupt- und der Förderschule eingeladen. Und die Elternschaft der Elbtalgrundschule aus Bleckede, mit der eine Kooperation besteht“. Struktur ins Lernen zuhause zu bringen, sei eine wichtige Voraussetzung. Das fängt bereits beim aufgeräumten Schreibtisch an, auf dem nur die Materialien liegen sollten, die das Kind für die Aufgaben benötige. „Smartphones gehören nicht an den Arbeitsplatz, auch nicht, wenn sie ausgeschaltet sind“, betonte Durst. Auch Karteikarten oder „Spickzettel“ seien in der Vorbereitung eine gute Art, das Wissen zu strukturieren, ebenso sauber geführte Hefte. Für die Dauer der Konzentration gelte die Faustregel, das Alter des Kindes mit zwei zu multiplizieren. Ein 12-jähriges Kind könne sich also 24 Minuten konzentrieren, danach brauche es eine kurze Pause, die auch zum Stoßlüften genutzt werden könne. Der 39-jährige Pädagoge, der in Münster studiert hat, riet von Belohnungen in Form von Geld ab. „Besser ist, Sie überraschen Ihr Kind mit einer unerwarteten Belohnung, indem Sie beispielsweise am Wochenende gemeinsam etwas unternehmen.“ Bei „Lernchaoten“ könnten Verträge, die Eltern mit ihren Kindern schließen, hilfreich sein. „Diese Verträge sind aber keine Einbahnstraße. Beide Parteien dürfen zwei bis drei Dinge festlegen.“ Und für alle gilt: Lernen in kleinen, strukturierten Formen mit ausreichend Pausen und vielen Wiederholungen funktioniert. Denn Tropfen mit der Aufschrift „Heitere Gelassenheit“ führen Apotheken – leider – nicht.