Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

Ausgrenzung gehört zu unserem Alltag. Wer anders ist, wird häufig diskriminiert, oft braucht es gar keinen Grund zum „Fertigmachen“. „Beleidigungen sind heute schneller getippt als gesprochen“, beschreibt Landrat Manfred Nahrstedt das Phänomen, die sozialen Medien täglich mit unzähligen Hasskommentaren zu fluten. Um sich gegen Demütigung, Diskriminierung und Rassismus zu stellen, braucht es Courage. Jetzt wurden die Jörg-Immendorff-Schule und die Realschule Bleckede offiziell als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnet. Landrat Nahrstedt ist Pate der Realschule; Sozialpädagoge Maik Peyko, der Stadtjugendpfleger in Bleckede und mit vielen Projekten an den Schulen vor Ort ist, hat die Patenschaft für die Hauptschule übernommen. Der „Partizipationsgedanke“ beeindruckt Peyko am meisten: „Ihr habt viel Zeit investiert, habt Unterschriften gesammelt und euch engagiert“, lobte er die Schüler. Deshalb sei er „zuversichtlich, was unsere Zukunft angeht“.

Zu der Feierstunde eingeladen war neben Bürgermeister Jens Böther, dem Landeskoordinator Dr. Peter Kaufmann, Vertreter aus der Elternschaft und des Fördervereins auch Christoph Rickels, der Initiator des Präventionsprojektes „First Togetherness“. Er berichtete den Neunt- und Zehntklässlern aus seinem Leben, das sich vor über zehn Jahren von einer auf die andere Minute jäh änderte. „Seit diesem Moment bin ich kaputt“, erzählte der 30-Jährige, dessen sorgloses Leben als „Möchtegern-Gangster“ durch einen gezielten Schlag ein abruptes Ende fand. Das war im September 2007, als er aus einer Disco in Aurich kam und von einem eifersüchtigen, jungen Mann mit einem gezielten Hieb an die Schläfe zu Boden gerammt wurde und so unglücklich fiel, dass er erst vier Monate später aus dem Koma erwachte, seitdem zu 80 Prozent schwerbehindert ist. Rickels schilderte, wie er sich ins Leben zurückgekämpft hat. „Du erntest das, was du säst“, lautet sein Credo. Und durch seine Energie und seinen Kampfgeist hat er mittlerweile viel geerntet, ein eigenes Unternehmen gegründet, ein prominent besetztes Video gemacht und viele Schulen besucht, um für ein neues „Cool“ zu werben – ein Cool des Miteinanders.

Seine schnörkellosen Schilderungen kamen gut an bei den Schülern, sein Kampf zurück zu Sport und Autofahren beeindruckte die jungen Zuhörer. „Er hat uns beide Seiten gezeigt, die des Möchtegern-Cool-Gangsters und die Seite von jemandem, der diese Initiative ins Leben gerufen hat und anderen helfen will“, fasste Kelvin (17) seine Eindrücke zusammen. Denn Rickels, der viel verloren hat, vor allem seine Freunde, der Schulsprecher, Supersportler und Rapper war und – wie er sagt – „ein Affe“ schaut nach vorne. „Wir müssen das Miteinander cool machen. Seid stolz, dass ihr diesen Weg mitgeht!“ So ist seine Haltung, seine Courage sicher das beste Vorbild für jede Schule mit Courage.