Das Netz vergisst nie – Chancen und Risiken von sozialen Medien

Mit verbundenen Augen soll Thore entscheiden, wer von seinen Mitschülern zu den Freunden gehört und wer nicht. Nach jedem Tick entscheidet er blind, ob er seine Klassenkameraden nach rechts in die Freundesgruppe oder nach links schickt. „Ganz schön schwierig. Ich weiß ja gar nicht, wer da vor mir steht“, kommentiert der Fünftklässler. Stimmt. „Aber das wisst ihr im Internet auch nicht, wenn jemand Kontakt zu euch aufnimmt und eine Freundschaftsanfrage stellt“, sagt Kerstin Heiden. Die Medienpädagogin des Vereins Blickwechsel war an zwei Tagen in die Realschule Bleckede gekommen, um die Fünftklässler mit den unterschiedlichen sozialen Netzwerken, deren Chancen und Risiken und vor allem auch mit den eigenen Rechten (zum Beispiel am Bild) und dem Datenschutz vertraut zu machen.

Derzeit ist bei jüngeren Nutzern TikTok angesagt, weil das Forum Musikschnipsel zur Verfügung stellt, mit denen eigene Beiträge produziert werden können, weil es zu Aktionen und Challenges einlädt und weil es virtuelle Geschenke bereithält. „Aber soll der Tanz im Bikini tatsächlich im Netz landen? Und Vorsicht bei virtuellen Geschenken: Sie werden mit barem Geld bezahlt. Und was die Challenges, die Mutproben angeht: Halten Sie Ihre Kinder an, einen kritischen Blick darauf zu werfen. Wenn beispielsweise Waschmittel-Tabs gegessen werden und Schaum aus dem Mund kommt, ist das natürlich nicht echt.“ Kerstin Heiden hat viele praktische Hilfestellungen und Tipps für Eltern, die sich in den sozialen Netzwerken häufig lange nicht so gut auskennen wie ihre Kinder. Silke Bachem, Vorsitzende des Schulelternrats an der Realschule Bleckede, hatte sich für diese mehrteilige Fortbildung eingesetzt und war über die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen auf den Verein Blickwechsel gestoßen. „Viele Eltern haben den Wunsch geäußert, sich über Foren und Programme, die ihre Kinder im Internet nutzen, zu informieren“, sagt sie. Zur Fortbildung gehörte auch eine online Veranstaltung für Eltern, die auch dafür warb, die sozialen Medien nicht zu verteufeln. „Kinder müssen heute Medienkompetenz lernen“, so Heiden. Und ihr Interesse an YouTube, Instagram, TikTok und WhatsApp liegt auch in der vordergründigen Anonymität dieser Medien begründet: Dort können sie sich selbst darstellen, Bestätigung und Anerkennung bekommen, sich austauschen, Kontakte knüpfen und partizipieren. „Da ist immer was los“, so Heiden.

Aber wie können KInder vor unangemessenen Beiträgen, vor pornographischen und gewalttätigen Beiträgen, vor Hass im Netz, Cybermobbing, Sexting oder Cyber-Grooming (das Erschleichen von Vertrauen) geschützt werden? Neben einer Vielzahl von hilfreichen Links gab Heiden auch viele praktische Tipps: „Vereinbaren Sie Regeln und Nutzungsdauer mit Ihren Kindern. Bei jüngeren Kindern kommt das Handy nachts in die Handygarage. Halten Sie regelmäßig Familien-Medienabende ab, bieten Sie Alternativen an.“ Was die Persönlichkeitsrechte an Fotos, Texten, Songs angeht, ist Creative Commons eine Alternative zu YouTube. Und immer daran denken: Das Netz vergisst nie. Auch wenn Fotos auf Snapshot nach kurzer Zeit wieder verschwinden, kann jemand einen Screenshot davon gemacht und diesen ins Netz gestellt haben. Deshalb gab Heiden den Fünftklässlern ihren 3-Stufen-Plan mit an die Hand: Würdet ihr dieses Foto auch Oma und Opa zeigen? Würdet ihr es in Lüneburg auf dem Marktplatz verteilen? Würdet ihr es ausdrucken und jedem zum weiteren Gebrauch in die Hand geben?

 

Beratungsseite für Jugendliche bei Sorgen:

https://www.juuuport.de

https://www.klicksafe.de

Surftipps vom Blickwechsel rund um Mediennutzung:

https://blickwechsel.org/medienpaedagogik/surftipps

https://www.saferinternet.at/privatsphaere-leitfaeden/

https://www.schau-hin.info/sicherheit-risiken/iphone-sicher-machen/

https://www.schauhin.info/fileadmin/content/Downloads/Infografiken/5Schritte_iPhone_aber_sicher.pdf

https://www.schau-hin.info/sicherheit-risiken/sicherheitseinstellungen-fuer-android/

https://www.schauhin.info/fileadmin/content/Downloads/Infografiken/5Schritte_Android_aber_sicher.pdf

https://www.medien-kindersicher.de

https://mobilsicher.de/ratgeber/serie-kindersicherungs-apps-im-check#toc1

https://mobilsicher.de/ratgeber/kindersicherungs-apps-schutz-oder-ueberwachung