Von der grenzenlosen Gier: Der Fischer und seine Frau

Ein neuer Toaster – das wäre mal was. Aber dem Fischer kommen nicht genug Fische ins Netz, das Geld ist knapp bei ihm und seiner Frau. Bis er eines stürmischen Nachts Bekanntschaft mit einem sprechenden Butt macht, dem er die Freiheit schenkt. Und dafür wird der bescheidene und redliche Mann belohnt, denn: Der Butt ist ein verwunschener Prinz und wird ihm aus Dankbarkeit Wünsche erfüllen. Wünsche, die gigantisch sind und keine Grenzen kennen. Bis hierhin ist das Märchen „Der Fischer und seine Frau“ bekannt. Thomas Flocken spinnt es weiter, hat es für Kinder aktualisiert und den großen Fragen und Herausforderungen der heutigen Zeit angepasst. Und es ist ihm großartig gelungen.

Mit viel Witz (etwa die zunehmende Veredelung der Unterwäsche) und Schwung, Effekten wie ein „Tagesschau-Extra“ mit Jan Hofer und einer Serie von bedrückenden Fotos verendender Tiere im Wasser trifft der Regisseur den Nerv der jungen Zuschauer. Die wollen am Ende des Stückes wissen: „Wie habt ihr das denn mit der Tagesschau gemacht?“ Und an den Butt gerichtet: „Wie hast du das mit dem Plastikmüll gemacht, den du ausspuckst?“ Rund eine Stunde dauert das Stück, im Anschluss stellt sich das Ensemble den Fragen der Kinder.

„Wie schaffst du das, dass du so böse zu deinem Mann bist“, will ein Fünftklässler der Realschule Bleckede wissen, wo das Ensemble am 3. Dezember aufgetreten ist. Lavinia Romana Reinke lacht und antwortet: „Das lernt man als Schauspielerin.“ Als habgierige, machtbesessene und rücksichtslose Sybille Fischer ist sie grandios. Während sie ihre Dienstbotin (in unterwürfiger Demut agierend: Julia von Thoen) schikaniert und ihren ihr ergebenen Mann (herrlich zaudernd und zerrissen: Sven Mein) demütigt („Du Fischstäbchen! Du bist nutzlos!“), steigt sie zu immer größerer Macht empor. Warum nicht gleich Göttin spielen? Großartig ist auch Andreas Püst, der unter anderem in die Rolle des klugen Butts schlüpft, der versucht, den Fischer zu Einsicht und Umkehr zu bringen. Ob das am Ende gelingt, bleibt offen. „Was glaubt ihr: Hat der Fischer das Ganze nur geträumt? Oder wiederholt sich die Geschichte?“ Ein Traum wäre die einfachere Lösung, aber die Fünftklässler wissen, dass verdreckte Meere Realität sind. „Was hättet ihr euch anstelle des Fischers gewünscht?“, fragen die Schauspieler ihr junges Publikum. „Dass ich noch mehr Wünsche freihabe“, antworten einige Schüler. „Dass es den Fischen im Meer besser geht und dass die Verschmutzung aufhört“, wünscht sich ein Mädchen.

Am 18. Dezember findet um 16 Uhr eine Vorstellung in der Kulturbäckerei statt. Schulen können das Schauspielkollektiv auch buchen, weitere Infos und Kontakte unter schauspielkollektiv.de.